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Arbeitsmarkt

Softwareentwickler-Arbeitsmarkt Berlin 2026: Welche Entwickler jetzt wirklich gefragt sind

Siamak Mohtachemi9. September 2026
Zwei Entwickler besprechen Code an einem Arbeitsplatz in einem Berliner Büro am Abend, im Hintergrund die Skyline mit Fernsehturm

Datenstand: September 2026

61.381 IT-Fachkräfte waren im März 2026 arbeitslos gemeldet. Höchstwert seit Beginn der Erfassung durch die Bundesagentur für Arbeit, 20,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im selben Monat stieg in Berlin die Zahl der ausgeschriebenen Entwicklerstellen.

Beides stimmt, und deshalb ist dieser Markt so schwer zu lesen. Für 2025 hat die Bundesagentur bei Softwareentwicklung keinen allgemeinen Fachkräfteengpass mehr festgestellt. Für einzelne Spezialistenberufe meldet sie weiterhin Besetzungsprobleme. Unternehmen bekommen mehr Bewerbungen als vor drei Jahren und finden bestimmte Profile trotzdem nicht.

Was folgt, trennt Berliner Werte von Bundeswerten, erklärt den Widerspruch und beantwortet die Frage dahinter: Welche Entwickler werden gerade gebraucht, und woran liegt es, wenn eine Stelle trotz voller Bewerbungsmappe offen bleibt.

Der Berliner Markt in Zahlen, und was sie tatsächlich messen

Die wichtigste Regel beim Lesen dieser Werte: Beschäftigte, Arbeitslose, gemeldete Stellen und Stellenanzeigen sind vier verschiedene Dinge. Sie bewegen sich nicht parallel, und genau daraus entsteht das widersprüchliche Bild.

Arbeitsmarktkennzahlen im Überblick

KennzahlWertBezug
Beschäftigte Berliner Digitalwirtschaft145.158Berlin, IBB-Studie 2026, erstmals Rückgang um 2,8 Prozent (4.198 Stellen)
IKT-Fachkräfte sozialversicherungspflichtig1,15 Mio.Deutschland 2025, plus 2 Prozent gegenüber Vorjahr (BA)
Anteil Softwareentwicklung daranknapp ein DrittelDeutschland 2025 (BA)
Arbeitslos gemeldete IT-Fachkräfte61.381Deutschland, März 2026, Höchstwert (BA)
Arbeitslosenquote IKT-Berufe4,5 ProzentDeutschland 2025, Vorjahr 3,7 Prozent (BA)
Gemeldete Stellenangebote ITrund 13.000Deutschland 2025, minus 22 Prozent gegenüber Vorjahr (BA)
Stellenangebot Berlin gesamtIndex 84Berlin, Anfang März 2026, plus 7,7 Prozent seit September 2025 (Indeed Hiring Lab)
Stellenanzeigen Softwareentwicklung Berlinplus 12 ProzentBerlin, Erholung seit Herbst 2025 (Indeed Hiring Lab)
Arbeitslosenquote Berlin gesamt10,6 ProzentBerlin, Februar 2026, Deutschland zum Vergleich 6,5 Prozent

Zwei Werte verdienen eine Erklärung. Die 61.381 Arbeitslosen sind eine Bundeszahl und umfassen die gesamte Berufshauptgruppe Informatik und IKT-Berufe, also auch Systemadministration, IT-Support und Datenverarbeitung. Softwareentwicklung ist darin nur ein Teil. Und der Rückgang der Berliner Digitalwirtschaft auf 145.158 Beschäftigte ist der erste seit über einem Jahrzehnt. Seit 2008 sind in diesem Sektor über 104.000 Arbeitsplätze entstanden.

Die Investitionsbank Berlin beschreibt in ihrer Studie steigende Umsätze bei sinkender Kopfzahl und deutet das als frühen Produktivitätseffekt durch KI. Das ist eine Interpretation der Bank, keine gemessene Kausalität. Für sich genommen zeigt die Zahl erst einmal nur, dass Berliner Digitalunternehmen 2025 weniger Menschen beschäftigt und mehr umgesetzt haben.

Ein Viertel kommt nicht aus Deutschland

Von den 1,15 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten IKT-Fachkräften in Deutschland hatten 2025 rund 171.000 eine ausländische Staatsangehörigkeit, allein 31.000 davon eine indische. Für Berlin liegt keine gesonderte Aufschlüsselung vor, der Anteil dürfte hier aber über dem Bundesschnitt liegen, weil ein erheblicher Teil der Berliner Tech-Unternehmen auf Englisch arbeitet.

Praktische Folge für Arbeitgeber: Die Anforderung verhandlungssicheres Deutsch verkleinert in Berlin den erreichbaren Kandidatenkreis stärker als anderswo. Sie ist in manchen Rollen unverzichtbar, in vielen Entwicklerpositionen aber ein Reflex.

Warum mehr arbeitslose Entwickler und schwer besetzbare Stellen gleichzeitig existieren

Der Widerspruch löst sich, sobald man aufhört, von einem IT-Arbeitsmarkt zu sprechen. Es sind mehrere.

Die Bundesagentur liefert dazu einen konkreten Hinweis: In der Systemadministration waren im März 2026 rund 15.654 Personen arbeitslos gemeldet, bei gleichzeitig sinkender Nachfrage. Cloud-Dienste und Automatisierung übernehmen dort klassische Infrastrukturaufgaben. Die Beschäftigung in technischen IT-Dienstleistungsberufen ist im selben Zeitraum weiter gestiegen.

Wer arbeitslos wird, und wer gesucht wird, sind also oft verschiedene Menschen mit verschiedenen Profilen. Ein Administrator, dessen Rechenzentrum in die Cloud gewandert ist, wird nicht automatisch zum Platform Engineer. Dieser Mismatch ist der Kern der aktuellen Lage.

Dazu kommt die Zeitachse. Die 13.000 gemeldeten Stellen und das Minus von 22 Prozent beziehen sich auf das Gesamtjahr 2025. Die Berliner Erholung setzte erst ab Ende September 2025 ein. Wer 2026 eine Jahreszahl aus 2025 zitiert, beschreibt einen Markt, den es so nicht mehr gibt.

Ein Berliner Sonderweg

Der Indeed Arbeitsmarkt Index lag für Berlin Ende September 2025 bei 78, also 22 Prozent unter dem Referenzniveau, während der Rest Deutschlands noch 21 Prozent darüber lag. Seitdem stieg Berlin um 7,7 Prozent auf 84, während der Rest des Landes um 4,3 Prozent fiel. Berlin ist tiefer gefallen und erholt sich früher. Das passt zu einer Stadt, deren Arbeitsmarkt stärker von Tech und Startups abhängt als vom Export.

Welche Entwickler in Berlin 2026 gesucht werden

Eine belastbare Rangliste nach Rollen gibt es für Berlin nicht. Die Bundesagentur weist nach Berufsgruppen aus, nicht nach Bezeichnungen wie Platform Engineer. Was sich sagen lässt, stützt sich auf drei Signale: Stellenanzeigen-Indizes, BA-Engpassanalysen und die Struktur der Nachfrage in laufenden Suchen.

Nach Daten des Indeed Hiring Lab legten in Berlin seit Herbst 2025 Stellenanzeigen für Softwareentwicklung um 12 Prozent zu, IT-Anwendungen sowie Daten und Analytics um 17,6 Prozent. Beide Bereiche liegen im Jahresvergleich erstmals wieder leicht im Plus. Dass Daten und Analytics stärker wachsen als die klassische Entwicklung, ist das interessantere Detail.

Der Grund dafür ist an anderer Stelle formuliert worden. Andreas Sauer von Hays beschreibt, dass sich KI nicht auf unzureichenden Datenstrukturen aufbauen lässt und Unternehmen deshalb zuerst in belastbare System- und Dateninfrastruktur investieren müssen. Wer LLM-Anwendungen bauen will, braucht vorher Pipelines, Governance und saubere Schemata. Das erklärt, warum Data Engineering im Moment schneller wächst als reine Feature-Entwicklung.

Für die einzelnen Rollen bedeutet das grob: Backend mit Cloud-Verantwortung, Platform Engineering, Data Engineering, Security und produktionsnahe AI-Rollen ziehen. Reine Frontend-Positionen ohne Architektur- oder Produktverantwortung stehen schwächer da, ebenso klassische Systemadministration. Das ist eine aus mehreren Indikatoren abgeleitete Einschätzung, keine amtliche Statistik.

Wo der Markt zwischen Junior und Senior auseinanderläuft

Berlin-spezifische Zahlen zum Junior-Segment liegen nicht vor. Was vorliegt, sind zwei bundesweite Werte, die zusammen ein Bild ergeben.

Der Studienbereich Informatik verzeichnete im Wintersemester 2024/25 gut 266.000 Studierende, drei Prozent mehr als im Vorjahr und fast die Hälfte mehr als zehn Jahre zuvor. Gleichzeitig wurden 2025 rund 17.000 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, 14 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mehr Absolventen treffen auf weniger ausgeschriebene Einstiegsstellen. Daraus folgt aber nicht, dass Juniors nicht mehr gebraucht werden. Es folgt, dass die Konkurrenz um Einstiegspositionen härter geworden ist und Unternehmen selektiver auswählen können.

Interessanter als die Berufsjahre ist ohnehin die Frage, was jemand verantwortet. Die gängige Einteilung nach Jahren funktioniert in einem Markt schlecht, in dem Codeproduktion schneller geworden ist. Wer nach fünf Jahren ausschließlich Tickets abgearbeitet hat, ist kein Senior. Wer nach drei Jahren Architekturentscheidungen trifft, Produktionsverantwortung trägt und andere anleitet, wird am Markt als einer behandelt.

Für Unternehmen

Wenn Ihre Stellenausschreibung fünf Jahre Berufserfahrung fordert, aber die Aufgabe eigentlich Ownership und Systemverständnis verlangt, filtern Sie nach dem falschen Kriterium. Beschreiben Sie, welche Entscheidungen die Rolle trifft. Das erreicht passendere Kandidaten als jede Jahresangabe.

Welche Technologien Unternehmen tatsächlich suchen

Einzelne Technologien sagen weniger aus, als Stellenanzeigen suggerieren. Python allein ist ein schwaches Signal. Python zusammen mit FastAPI, PostgreSQL, AWS, Kubernetes und nachweisbarer Produktionserfahrung mit LLM-Integration ist ein völlig anderes Profil, und beide stehen unter derselben Überschrift in der Anzeige.

Aus der Stack Overflow Developer Survey 2025, der bislang aktuellsten veröffentlichten Ausgabe mit über 49.000 Antworten aus 177 Ländern, lassen sich zwei Verschiebungen ablesen. Python legte um sieben Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr zu, der stärkste Sprung, den die Umfrage je für eine Sprache verzeichnet hat. PostgreSQL erreichte 55,6 Prozent und liegt das dritte Jahr in Folge auf Platz eins bei den am meisten gewünschten Datenbanken.

Beides sind globale Werte. Für Berlin gibt es keine vergleichbare Erhebung. Die Richtung deckt sich aber mit dem, was in Berliner Ausschreibungen auftaucht, insbesondere im Umfeld von Data und AI.

Die Kombinationen, die derzeit schwer zu finden sind, folgen einem Muster: Sie verbinden Entwicklung mit Betriebsverantwortung oder mit einer zweiten Domäne.

  • Senior Backend mit echter Cloud-Verantwortung, nicht nur Deployment
  • Platform Engineering mit Kubernetes im Produktivbetrieb
  • Cloud kombiniert mit Security, inklusive Compliance-Anforderungen
  • Python mit LLM-Integration in Produktion, nicht im Prototyp
  • Data Engineering mit AI-Infrastruktur
  • Softwarearchitektur mit Erfahrung in der Modernisierung von Bestandssystemen

Diese Liste stammt aus Marktbeobachtung und Anzeigenstruktur, nicht aus einer quantitativen Erhebung. Sie taugt als Orientierung, nicht als Beleg.

Was Coding Agents an Seniorität verändern

Hier muss zuerst eine Zahl geradegerückt werden, die derzeit falsch zitiert wird. Die viel verbreiteten Werte von 84 Prozent Nutzung und 29 Prozent Vertrauen stammen aus der Stack Overflow Developer Survey 2025, nicht aus einer Ausgabe von 2026. Die Befragung 2026 lief im Juni an und war zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht veröffentlicht. Zahlreiche Artikel, auch von Fachmedien, ordnen die Daten dem falschen Jahr zu.

Die Werte selbst sind bemerkenswert genug. 84 Prozent der Befragten nutzen KI-Werkzeuge oder planen es, gegenüber rund 70 Prozent im Jahr 2023. Das Vertrauen in die Genauigkeit fiel im selben Zeitraum von etwa 40 auf 29 Prozent. 46 Prozent misstrauen den Ausgaben aktiv. Nur 3 Prozent geben an, ihnen stark zu vertrauen, unter erfahrenen Entwicklern sind es 2,6 Prozent.

Nutzung steigt, Vertrauen sinkt. Bei den meisten Technologien läuft es umgekehrt.

Bei Agenten ist die Lage noch deutlicher. Laut derselben Erhebung nutzen 52 Prozent der Entwickler entweder keine Agenten oder bleiben bei einfacheren KI-Werkzeugen, 38 Prozent planen keinen Einsatz. Eine separate Stack Overflow-Befragung Anfang 2026 stellte fest, dass sich die Agentennutzung seit der Vorerhebung verdoppelt hat, die Bedenken gegenüber KI-generiertem Code aber ebenfalls gewachsen sind.

Für den Arbeitsmarkt ist daraus eine Schlussfolgerung ableitbar, und nur eine: Wenn Codeproduktion billiger wird, verschiebt sich der Wert auf alles, was davor und danach passiert. Anforderungen präzisieren, Architektur entscheiden, Code Review, Testabdeckung, Security, Betrieb. Genau die Tätigkeiten, die in den Daten als Vertrauensproblem auftauchen, werden zu bezahlten Fähigkeiten.

Ob das bereits messbar Stellen kostet, lässt sich seriös nicht sagen. Ein Indiz gibt es: In einer Bitkom-Umfrage vom August 2026 unter 102 Tech-Startups gaben 27 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten wegen KI auf Neueinstellungen verzichtet zu haben, 7 Prozent berichteten von Stellenabbau aus demselben Grund. Die durchschnittliche Belegschaft junger Digitalunternehmen sank auf zwölf Beschäftigte, nach 13 im Vorjahr und 15 im Jahr 2024. Bitkom weist die Erhebung ausdrücklich als nicht repräsentativ aus.

Gleichzeitig rechnen 62 Prozent derselben Unternehmen für 2026 mit steigenden Beschäftigtenzahlen, im Schnitt um vier Personen. Und die Gründungszahlen steigen: Zwischen Januar und Juni 2026 entstanden nach Angaben des Startup-Verbands 3.053 Startups in Deutschland, 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025.

Mehr Unternehmen, kleinere Teams. Das ist die Veränderung, die sich in den Daten am klarsten zeigt.

Gehälter in Berlin, und warum die Quellen sich widersprechen

Wer nach Gehältern sucht, findet für dieselbe Rolle Werte, die nicht zusammenpassen. Das liegt nicht an schlechten Daten, sondern daran, dass die Quellen Unterschiedliches messen.

Gehaltsquellen im Vergleich

QuelleWert für BerlinWas gemessen wird
StepStoneSenior Software-Entwickler Ø 70.000 €, Spanne 60.600 bis 81.500 €Grundgehalt, erhoben aus Stellenanzeigen, Unternehmensangaben und verifizierten Meldungen
Robert HalfSoftware-Ingenieur 61.455 bis 97.410 €Benchmark aus Platzierungsdaten der Personalberatung
Levels.fyiSenior Software Engineer 84.765 bis 121.823 €Total Compensation inklusive Aktien und Bonus, selbstselektierte Nutzerbasis, Stand Juli 2026
StepStone Gehaltsreport 2026IT-Berufe Median 66.750 € (Deutschland)Bruttomedian aus rund 1,33 Mio. Vergütungsdaten, Gehaltsniveau 2025, Vollzeit

Die Spanne von Levels.fyi beginnt oberhalb des StepStone-Maximums. Das ist kein Fehler. Levels.fyi erfasst Gesamtvergütung und wird überwiegend von Beschäftigten international zahlender Tech-Unternehmen genutzt. StepStone misst Grundgehalt über den gesamten Markt, inklusive Mittelstand und Dienstleister. Beide Werte sind für ihren jeweiligen Ausschnitt korrekt.

Für eine grobe Orientierung nach Verantwortungsstufe, abgeleitet aus den oben genannten Quellen und nicht aus eigener Erhebung: Einstiegspositionen bewegen sich in Berlin überwiegend im Bereich um 45.000 bis 55.000 Euro Grundgehalt, erfahrene Entwickler mit Produktionsverantwortung zwischen 70.000 und 95.000 Euro. Darüber beginnt der Bereich, in dem Gesamtvergütung und Aktienanteile die Spanne stärker bestimmen als das Grundgehalt. Genauere Werte nach einzelner Programmiersprache anzugeben, wäre nicht belegbar.

Eine detaillierte Aufschlüsselung nach Spezialisierung haben wir für einzelne Bereiche getrennt aufbereitet, etwa für Cloud- und DevOps-Rollen, Cloud-Architektur und IT-Security.

Was der Markt für Entwickler bedeutet

Spezialisierung zahlt sich stärker aus als früher, aber nicht jede. Die Richtung, in die der Markt gerade zieht, verbindet Entwicklung mit Betriebsverantwortung oder mit Daten.

Wer heute im klassischen Systembetrieb arbeitet, sollte die Zahl der 15.654 arbeitslos gemeldeten Administratoren ernst nehmen. Der Weg heraus führt über nachweisbare Automatisierung, also Infrastruktur als Code im Repository statt manueller Konfiguration.

Im Umgang mit KI-Werkzeugen entsteht gerade eine eigene Kompetenz. Nicht die Bedienung, die lernt jeder in einer Woche. Sondern die Fähigkeit, generierten Code zu prüfen, Fehler zu erkennen, die plausibel aussehen, und zu entscheiden, wann etwas neu geschrieben statt korrigiert wird. Die Vertrauenswerte aus der Stack Overflow-Umfrage beschreiben genau diesen Bedarf.

Was der Markt für Berliner Unternehmen bedeutet

Mehr Bewerbungen sind nicht dasselbe wie bessere Auswahl. Wer 2026 eine Backend-Stelle ausschreibt, bekommt vermutlich mehr Zuschriften als 2022 und findet darunter trotzdem niemanden mit Kubernetes-Produktionserfahrung und Security-Hintergrund. Der Stapel ist größer geworden, die Schnittmenge nicht.

Anforderungsprofile müssen präziser werden, nicht länger. Jeder zusätzliche Pflicht-Skill verkleinert den erreichbaren Personenkreis multiplikativ. Eine Anzeige, die Kubernetes, Terraform, drei Cloud-Anbieter, Security und Entwicklungserfahrung gleichzeitig verlangt, beschreibt keine Stelle, sondern ein Team.

Seniorität gehört sauber definiert. Nicht in Jahren, sondern in Entscheidungen. Welche Architekturfragen trifft die Rolle? Wer wird angeleitet? Was läuft in Produktion unter ihrer Verantwortung?

Für die knappen Kombinationen reicht Ausschreiben nicht. Die Profile, die schwer zu finden sind, sitzen in der Regel in festen Anstellungen und lesen keine Jobbörsen. Dort führt der Weg über Direktansprache. Was das in der Praxis bedeutet und woran Suchen sonst scheitern, haben wir im Beitrag zum IT-Fachkräftemangel ausführlicher beschrieben.

Was sich bis 2027 abzeichnet

Drei Entwicklungen haben belastbare Signale hinter sich, eine ist Prognose.

Die Berliner Erholung ist bisher ein halbes Jahr alt. Der Indeed-Index stieg von 78 auf 84, liegt damit aber weiterhin unter dem Referenzniveau. Ob daraus ein Trend wird, entscheidet sich an den Zahlen für das zweite Halbjahr 2026.

Der Trend zu kleineren Teams bei mehr Unternehmen ist in zwei unabhängigen Datenquellen sichtbar, der Bitkom-Startup-Umfrage und den Gründungszahlen des Startup-Verbands. Für Recruiting heißt das: mehr Kunden mit jeweils einer oder zwei offenen Stellen statt weniger Kunden mit zehn.

Die Verschiebung von Codeproduktion zu Prüfung und Architektur ist durch die Nutzungs- und Vertrauensdaten gut gestützt. Wie stark sie sich auf Einstiegspositionen auswirkt, ist offen. Belastbare deutsche Daten dazu gibt es bislang nicht.

Prognose, nicht Beobachtung: Wenn die Stack Overflow-Erhebung 2026 im Herbst erscheint, dürfte die Agentennutzung deutlich über den 31 Prozent der Vorerhebung liegen. Die Vertrauenswerte werden voraussichtlich nicht im selben Maß steigen.

Der Markt hat sich verschoben, nicht verschlechtert

Berlin ist von einem Markt, in dem fast jede Einstellung ein Wettlauf war, zu einem Markt geworden, in dem das Matching entscheidet. Für Entwickler heißt das, dass Breite weniger trägt als vorher und Verantwortung mehr. Für Unternehmen heißt es, dass die Zahl verfügbarer Kandidaten selten das Problem ist. Das Problem ist die Kombination aus Erfahrung, Spezialisierung und technischer Verantwortung, und die findet man nicht über eine Anzeige.

Häufige Fragen

Werden Softwareentwickler in Berlin 2026 noch gesucht?

Ja, aber selektiver als während des Tech-Booms. Nach Daten des Indeed Hiring Lab stiegen die Stellenanzeigen für Softwareentwicklung in Berlin seit Herbst 2025 um 12 Prozent, für IT-Anwendungen sowie Daten und Analytics um 17,6 Prozent. Der Berliner Index lag Anfang März 2026 bei 84 und damit weiterhin unter dem Referenzniveau.

Ist der IT-Fachkräftemangel vorbei?

Für Softwareentwicklung insgesamt hat die Bundesagentur für Arbeit für 2025 keinen allgemeinen Fachkräfteengpass mehr festgestellt. Für einzelne Spezialistenberufe bestehen weiterhin Besetzungsprobleme. Der Mangel ist also rollenabhängig geworden, nicht verschwunden.

Warum steigt die IT-Arbeitslosigkeit, obwohl Stellen unbesetzt bleiben?

Weil es nicht einen IT-Arbeitsmarkt gibt, sondern mehrere. In der Systemadministration waren im März 2026 rund 15.654 Personen arbeitslos gemeldet, bei sinkender Nachfrage, weil Cloud und Automatisierung dort Aufgaben übernehmen. Die Beschäftigung in technischen IT-Dienstleistungsberufen stieg im selben Zeitraum. Wer frei wird und wer gesucht wird, sind oft verschiedene Profile.

Welche Entwicklerprofile sind besonders schwer zu besetzen?

Kombinationen, nicht einzelne Technologien. Senior Backend mit echter Cloud-Verantwortung, Platform Engineering mit Kubernetes im Produktivbetrieb, Cloud zusammen mit Security, Python mit LLM-Integration in Produktion und Data Engineering mit AI-Infrastruktur. Das ist eine Einschätzung aus Marktbeobachtung, keine amtliche Erhebung.

Haben Junior-Entwickler in Berlin noch Chancen?

Berlin-spezifische Daten dazu liegen nicht vor. Bundesweit trafen im Wintersemester 2024/25 gut 266.000 Informatik-Studierende auf ein gesunkenes Angebot an gemeldeten IT-Stellen. Die Konkurrenz um Einstiegspositionen ist damit härter geworden. Dass Juniors nicht mehr gebraucht werden, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

Was verdient ein Softwareentwickler in Berlin?

Das hängt davon ab, welche Quelle was misst. StepStone nennt für Senior-Software-Entwickler in Berlin durchschnittlich 70.000 Euro Grundgehalt, Robert Half für Software-Ingenieure eine Spanne von 61.455 bis 97.410 Euro, Levels.fyi für Senior Software Engineers 84.765 bis 121.823 Euro Gesamtvergütung. Der letzte Wert enthält Aktien und Bonus und stammt aus einer selbstselektierten Nutzerbasis.

Wie verändert KI den Beruf?

Laut Stack Overflow Developer Survey 2025 nutzen 84 Prozent der Entwickler KI-Werkzeuge oder planen es, während das Vertrauen in die Genauigkeit auf 29 Prozent gefallen ist. Agenten nutzten zum Erhebungszeitpunkt nur 31 Prozent. Der Wert verschiebt sich damit auf Prüfung, Architektur und Betriebsverantwortung, also auf alles, was vor und nach der Codeproduktion liegt.

AutorSiamak MohtachemiGründer und Geschäftsführer von djiigaLinkedIn-Profil

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Berichte Arbeitsmarkt kompakt, Der Arbeitsmarkt für IKT-Berufe, Juni 2026 (Daten 2025); Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosenstatistik März 2026; Investitionsbank Berlin und Berliner Sparkasse, Digitalwirtschaftsstudie 2026; Indeed Hiring Lab, Tech-Aufschwung in Berlin, April 2026 (Virginia Sondergeld); Stack Overflow Developer Survey 2025; Bitkom Research, Startup-Befragung August 2026 (nicht repräsentativ, 102 Unternehmen); Startup-Verband, Gründungszahlen Halbjahr 2026; StepStone Gehaltsreport 2026 und Gehaltsdaten Berlin; Robert Half Gehaltsübersicht Berlin; Levels.fyi, Stand Juli 2026. Datenstand dieses Beitrags: September 2026.

Viele Bewerbungen, trotzdem die falschen Profile?

Wenn Sie eine Rolle besetzen, für die Ausschreiben nicht reicht, schildern Sie uns die Anforderungen. Sie bekommen eine Einschätzung, ob das Profil im Berliner Markt zum Gehaltsband besetzbar ist, bevor die Suche startet.

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